66.Ausstellung im Zerbster Landratsamt mit Petra Härtel

Den Betrachter zum Beobachter machen
"Eine sehr schöne Ausstellung, ihre feine Linienführung in den Bildern ist schon beeindruckend"-schlicht, aber treffend formuliert steht dieser Satz im Gästebuch, das im Landsratsamt ausliegt, wo am Mittwoch mit den über 30 Werken der Coswiger Künstlerin Petra Härtel die nunmehr 66. Ausstellung einzog.

Volkstimme VON Daniela Apel, 06.12.03

Zerbst. Es ist nicht das erste Mal, dass Petra Härtel in Zerbst ausstellt. Bereits dreimal waren ihre Werke mit der unverkennbaren Handschrift während der ZerbsterKulturfesttage im Museum der Stadt zu sehen. Für Kunstinteressierte ist die studierte Erzeugnisgstalterin und Schuhgestalterin also keine Unbekannte.
In den Fluren des Landratsamtes, wo Hausherr Holger Hövelmann am Mittwochnachmittag die Personalausstellung eröffnete, können bis zum 4.März 2004 ausgewählte Bilder der Künstlerin betrachtet werden, die den künstlerischen Entwicklungsweg von Petra Härtel wiederspiegeln, der einher geht mit dem Wechsel der Techniken und Materialien. Entsprechend reicht die Palette der Bilder, die unter dem Titel "Ausblicke" zusammengestellt wurden, vom detailgetreuen Abbild bis hin zu fantasiegeprägten abstrakteren Darstellungen, von Tuschezeichnungen bis hin zu dreidimensionalen Collagen.
Den Blick auf alltägliche Dinge, die konkrete Wahrnehmung und den Genuss des Augenblickes möchte die Coswiger Künstlerin schärfen, die Picasso und Klimmt bewundert. "Vielleicht gehe ich mal in diese Richtung", sagt sie, ergänzt aber zugleich, dass sie lieber naturalistisch als abstrakt malt.

Mit eingefrorenen Fingern auf Bornholm

Dass sie diesen künstlerischen Weg weiterging, verdankt sie dem dänischen Künstler Nis Jessen, ein Vertreter der realistischen Malerei, den sie bewundert. "Ich habe immer gedacht, Kunst ist etwas, was man nicht erkennt und dass ich irgendetwas verkehrt mache", erklärt sie. Doch Nis Jessen hat ihr die falsche Vorstellung genommen.
Der Däne besitzt die älteste Galerie auf Bornholm, dem Lieblingsort von Petra Härtel. "Das ist meine Trauminsel. Nur Natur. Eine leise Insel mit reiner Luft und herrlichem Licht, ideal zum Malen", schwärmt sie, die immer wieder auf die fünftgrößte Insel Dänemarks zurückkehrt, die Leinwand im Gepäck. Dann sitzt sie draußen in der Landschaft und malt mit eingefrorenen Fingern, wie sie sagt. "Manchmal ist es so kalt, dass ich im Auto sitzen muss", schildert sie die Atmosphäre beim Malen. Trotzdem kommt sie immer wieder auf die Insel zurück, die sie so sehr inspiriert.
Ein kleiner Teil der dort entstandenen Bilder hängt in der Ausstellung. Andere zeigen ihre Lieblingsplätze im Odertal, in dem sie aufgewachsen ist. Dabei fällt auf, dass sie viele Braun-,Beige- und Grautöne verwendet, verhaltene Farben bevorzugt, die eine gewisse Ruhe und Ausgeglichenheit reflektieren.
Dennoch gibt es durchaus Farbtupfer in der Ausstellung, wie beispielsweise das Bild "Am Meer", bei dem es Petra Härtel verstanden hat, das Licht einzufangen. Darauf verwies Anita Groschetzky, eine langjährige Freundin der Künstlerin, die sie auch auf ihren Künstlerreisen begleitet. Eine solche war es auch, auf der sie ihre Liebe zu Bornholm entdeckt hat und die ihr immer wieder am Austausch mit anderen Künstlern neue Impulse verschaffen. "Malen ist ein ewiger Lernprozess", sagt sie, die bereits in frühester Kindheit mit dem Zeichnen begann. Eines ihrer ersten Werke zeigt Till Eulenspiegel. "Damals habe ich auch angefangen, Violine zu spielen, mich aber dann für das Malen entschieden", erklärt sie.

Kreativkurs an KVHS mit Petra Härtel

Heute beschäftigt sie sich als Freiberuflerin unter anderem mit Webdesign und entwirft Visitenkarten. Außerdem ist sie als Dozentin unterwegs. Dazu gehört auch ein neuer Kreativkurs an der Kreisvolkshochschule Anhalt-Zerbst. In 30 Unterrichtsstunden geht es um "Die hohe Kunst des Stempelns" und vor allem deren Vielfältigkeit in der Gestaltung und Nutzung. Ob Blumeneinstecker, Geschenkanhänger oder Briefpapier-vielseitig sind Stempel einsetzbar und durch die Verbindung mit Aquarellfarben oder einer Federzeichnung lassen sich kleine Kunstwerke zaubern.

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